Was steckt hinter dem Hype um „Clubhouse“?

Clubhouse ist aktuell das beste Beispiel, wie man im digitalen Zeitalter und im Zuge einer weltweiten Virus-Epidemie einen waschechten Hype kreiert.

FOMO – the fear of missing out: Ein Gefühl, das eigentlich eher in engem Zusammenhang mit dem auf Eis gelegten Berliner Nachtleben steht, geht derzeit in Deutschland um. Der Auslöser: eine neue App mit dem Namen „Clubhouse“. 

Clubhouse ist das wohl aktuell beste Beispiel dafür, wie man im digitalen Zeitalter und im Zuge einer weltweiten Virus-Epidemie schafft, einen waschechten Hype zu kreieren. Die Gründe dafür liegen im innovativen Konzept der neuen App, und dieses hält bereits beim Versuch der Anmeldung eine dicke Überraschung für einen parat. Ohne Einladung eines bereits aktiven Mitglieds ist sie nämlich schlichtweg nicht möglich. Die App lässt somit zum einen natürlich viele interessierte Nutzer vor der Clubtür stehen, zum anderen beruht der Hype auf genau diesem Effekt der FOMO und dem menschlichen Grundbedürfnis, dazugehören zu wollen. Wir sind es heutzutage einfach zu sehr gewohnt, binnen Sekunden Zugang zu sämtlichen Netzwerken und Services zu bekommen.  

In der Regel reicht ein müdes Tippen auf den Downloadbutton, und die nervige, aber rasch vollzogene Anmeldeprozedur nimmt ihren Lauf. Clubhouse muss also etwas Besonderes sein, wenn es Nutzern nur auf Empfehlung den Eintritt gewährt und jedem Clubmitglied darüber hinaus nicht erlaubt, unendlich viele Interessenten anzuwerben. Der Apell dahinter: Lade nur die Besten, die Geeignetsten ein. Übrigens wird auch später im eigenen Profil vermerkt, von wem man eingeladen wurde. Abgerundet wird der Rummel von prominenten Nutzern wie Drake, Paris Hilton oder Oprah Winfrey, denen man im Clubhouse „begegnen“ kann. 

Wer schließlich eine der heiß begehrten Einladungen ergattern konnte (bei eBay werden diese aktuell für teilweise knapp 50€ gehandelt), den erwartet keine herkömmliche Social Media Plattform. Einfach gesagt: Clubhouse ist eine reine Audio-Only-App, bei der man Gesprächen lauschen oder sich aktiv an Diskussionen beteiligen kann. Die Idee ist eine Art interaktiver Live-Podcast zu ausgewählten Themen. Kommentare, Likes oder Video-Chats? Fehlanzeige. Ebenso wie ein stimmiges Datenschutzkonzept, welches sich derzeit wohl kaum mit geltendem EU-Recht vereinbaren lässt. Wer sich anmeldet wird gebeten, seine gesamten Kontaktdaten den Entwicklern von Alpha Exploration auszuhändigen. Nur wer diesem Prozess zustimmt, kann später weitere Freunde einladen. Was danach mit unseren Daten passiert, ist noch nicht allumfassend geklärt. Sicher aber ist: Clubhouse erstellt zu allen gescannten Kontakten so genannte Schattenprofile und hält deshalb Nummern wie den ADAC Pannenservice für bestens vernetzte, potentielle User. Das erinnert an den Cambridge Analytica Skandal, bei dem Daten von Freunden bestimmter Nutzer abgezogen worden sind, die in keiner Weise Kontakt zu den Machenschaften des Datenanalyse-Konzerns hatten. 

Schade, denn eigentlich schlummert hinter der App ein enormes Marketingpotential. In eigens eröffneten Räumen könnte man nicht nur bestehende Produkte bewerben, sondern auch aktiv Marktforschung in eigener Sache betreiben. Was könnte das Produkt XY nachhaltig verbessern?  

Wie digitalisiere ich mein Unternehmen richtig? Die Antworten darauf liefern einem die vielen aktiven Mitglieder in nur wenigen Minuten auf dem Podium des just eingerichteten Clubraums. Clubhouse ist wie eine prall gefüllte Fußgängerzone, in der man quasi niemanden suchen und ansprechen muss. Man fragt nach Hilfe und wird sie definitiv bekommen. Freiwillig und kostenlos. 

Dieser Text ist von Phil (27), unserem jungen Social Media Experten und Content Marketing Manager bei CBE DIGIDEN.