Die Aussicht auf den Dialog nicht verbauen

Unternehmen, Politik und Öffentlichkeit liefern sich immer häufiger bereits im Vorfeld großer Bauvorhaben ein Kräftemessen. Gerade die Einwohner Berlins sind nicht bereit, jedes Immobilienprojekt ohne Wenn und Aber abzunicken. Deshalb musste die Kommunikation im Bereich der Immobilien- und Wohnungswirtschaft in den letzten Jahren ganz neue Wege gehen.

Spätestens seit den Protesten um den Ausbau des Frankfurter Flughafens oder Stuttgart 21 ist deutlich geworden, dass immer mehr auch der Nutzen geplanter Bauten für die Allgemeinheit oder deren Auswirkungen auf die Umgebung hinterfragt werden. Dabei geht es bei den Diskussionen sowohl um das jeweilige Bauvorhaben an sich – seine Dimension, sein Aussehen und die Nutzungskonzeption – als auch um dessen Einordnung in regionale Quartiersplanungen und die Wünsche der Bevölkerung. Wen wundert das, Gebäude prägen schließlich das Stadtbild. Einmal errichtet, werden sie in der Regel aber nicht nur zu weithin sichtbaren, sondern vor allem auch zu dauerhaft unverrückbaren Tatsachen – eben immobil.

Damit werden insbesondere in Berlin die Interessen ganz unterschiedlicher Stakeholder berührt: Die Bezirke der Bundeshauptstadt wollen grundsätzlich das letzte Wort haben, wenn es um die Nutzung ihrer freien Flächen oder die Umnutzung besiedelter Areale geht. Das Land Berlin hingegen verfolgt häufig eigene Pläne und behält sich deshalb das Recht vor, bestimmte Bebauungsplanverfahren an sich zu ziehen. Die dritte Interessengruppe sind die Bürgerinnen und Bürger selbst. Sie fordern immer häufiger ein Mitspracherecht – das sie mitunter auch vehement zu erstreiten und durchzusetzen versuchen. So geschehen etwa bei den Auseinandersetzungen um die „Mediaspree“ sowie bei der Debatte um das Tempelhofer Feld und um den Mauerpark in Prenzlauer Berg.

Was Berliner antreibt

Was veranlasst die Bürgerschaft von Berlin, mehr Partizipation einzufordern? Häufig sind es deren Befürchtungen, dass sich die Verantwortlichen beim Verkauf wertvoller Flächen nur an den Höchstgeboten orientieren. Damit einher geht die Angst vor einer fortschreitenden Gentrifizierung sowie vor dem Verlust kultureller und urbaner Vielfalt.

Eine Berliner Besonderheit verschärft die Situation sogar oft noch: Es gibt in der Hauptstadt nach wie vor eine Vielzahl nicht genutzter Flächen oder solcher Grundstücke, die in der Vergangenheit übergangsweise zur Zwischennutzung zumeist kultureller Art vergeben wurden. Diese Zwischennutzungen bestanden oder bestehen teilweise bereits seit vielen Jahren, und die Nutzer leiten daraus eine Art „Gewohnheitsrecht“ ab. Der öffentliche Aufschrei ist deshalb natürlich immer dann besonders groß, wenn diese Flächen in ordentlichen Verfahren zum Verkauf gebracht und umgenutzt werden sollen.

Frühzeitig kommunizieren

Die Interessenlage und die äußerst heterogenen Bewertungsmuster für die Sinnhaftigkeit geplanter Bauten haben dazu geführt, dass die Anforderungen an die Kommunikation zu größeren Bauvorhaben und die zu verwendenden Tools und Kanäle enorm gewachsen ist.

Reichte es früher aus, die baulichen und lagebedingten Vorteile zu betonen, so ist es heute notwendig, von Beginn an Akzeptanz für die Projekte zu erzielen, deren Mehrwert herauszuarbeiten und damit die Interessen der unterschiedlichen Gruppierungen zu berücksichtigen. Denn es gilt alle mitzunehmen: aus Betroffenen Beteiligte zu machen. Das hat Einfluss auf die Art der Kommunikation und natürlich auch auf die Kommunikationstools und -kanäle. Denn die Diskussion findet sowohl off- als auch online statt – auf Messen, über Informationsmaterialien und -beiträge sowie auf Dialogveranstaltungen. Und natürlich im Internet.

Die Erfahrung von CB.e hat gezeigt, dass Bebauungs- und Flächennutzungskonzepte vor allem durch einen frühzeitigen Dialog, umfassende Partizipationsmöglichkeiten und absolute Transparenz bei den Bürgern rundweg positiv positioniert werden können. Eine durchdachte Kommunikationsdramaturgie für große Bauvorhaben führt auf Wunsch jedoch nicht nur zur gewünschten Positionierung des Vorhabens selbst. Richtig eingesetzt, können Partizipation, Dialog und Transparenz darüber hinaus sogar das Image des dahinterstehenden Unternehmens aufwerten. Auch das hat CB.e schon mehrfach vorgemacht.