Alles nur Fassade?

Wie Mediatektur die Kommunikation verändert. 

Jeder, der bei schönem Wetter die Kathedrale im französischen Chartres betritt, ist vom Lichtspiel der von der Sonne durchfluteten Kirchenfenster überwältigt. Das bunt gestaltete Glas, dessen geheimnisvolle Facetten als Chartres-Blau in den Farbkanon Einzug hielten, bildet mit der Architektur eine beeindruckende Einheit. Ganz nach Wetter und Tageszeit verwandelt sich die Stimmung im Inneren der Kathedrale. Wenn man so will, erlebten sie damals die Geburtsstunde der Mediatektur.

Die Kombination von Lichtinszenierungen oder anderen technologischen Gestaltungselementen mit Architektur ist nicht neu. Der Begriff „Mediatektur“ – zusammengesetzt aus Media und Architektur – entstand jedoch erst in den neunziger Jahren. An die Stelle der Kirchenfenster sind heute hochauflösende LEDs gerückt.

Die Grenzen verschwinden

Uns bewegt das Phänomen Mediatektur schon seit langem. Für unser Anliegen, Kommunikationsbotschaften emotional und bewegend zu vermitteln, ist diese Disziplin geradezu prädestiniert. Sie erscheint uns wie eine logische Konsequenz unseres Tuns und Denkens. Mediatektur ermöglicht es uns, Ihre Geschichten digital zu erzählen, universelle Raumerlebnisse zu schaffen und die immer komplexeren Informationsfluten begreifbar zu machen. Mediatektur bietet die Möglichkeit, dem statischen Charakter der Architektur dynamische Elemente hinzuzufügen. Das gilt für den öffentlichen Raum ebenso wie für Messen, Ausstellungen oder die Gestaltung von Gebäudefoyers. Die Herausforderung ist, das wachsende Potential der Neuen Medien kreativ mit den technischen Gegebenheiten der Gebäude oder Räume zu verbinden und die Bühne für die Kommunikationsbotschaften zu vergrößern. Nicht der Mensch soll sich auf den Raum einstellen, sondern der Raum auf den Menschen. Die Mediatektur wird dabei zur Membran zwischen der realen und der digitalen Welt. 

Vom Betrachter zum Akteur

Mediatektur ist gebaute Kommunikation in der Sprache der jeweiligen Zeit. Die Digitalisierung der Projektions- und Übertragungstechniken und die Preisentwicklung u.a. bei LED-Screens sorgen dafür, dass sie in immer mehr Bereichen Einzug hält und völlig neue Konzepte entstehen lässt. Es gibt bereits Medienfassaden, die sich entsprechend des aktuellen Wetters verändern, per Smartphone gesteuert werden können oder auf vorübergehende Passanten reagieren. Schritt für Schritt verwandeln sich die Betrachter mediatektonischer Projekte in Zukunft in Akteure, die in die Inszenierung eingebunden werden. Die Auseinandersetzung mit den jeweiligen Themen ist dadurch nachhaltiger. Sie schafft hohe kommunikative und informelle Mehrwerte. Es wird spannend, diese schier unerschöpflichen Möglichkeiten für die Kommunikation nutzbar zu machen.